29. November 2021

Gestern sind wir in den Advent gestartet, und mit der 1. Kerze erhellt nun auch wieder der Adventskalender der Kolpingjugend Berlin die Tage bis Weihnachten. Sehr vielfältig und unterschiedlich sind auch in diesem Jahr die Impulse ausgefallen. So vielfältig sind der Glaube und die Ansichten. Einig sind wir uns auf unserem Weg zu Krippe: Jesus, Gottes Sohn bring das Licht in die Welt.

Text und Bild: Daniel Buchholz, GL

1. Adventssonntag

„Advent, Advent ein Lichtlein brennt.“ Dieser Satz sagt eigentlich alles, was den Advent ausmacht. Advent bedeutet aus dem lateinischen übersetzt Ankunft. Wir bereiten uns auf die Ankunft Jesu vor, das Licht der Welt. Doch wie macht man das am besten? Im Advent sind wir besonders eingeladen, dem Heiligen Geist nachzuspüren und uns „mal wieder“ neu auf Jesu Wirken in der Welt einzulassen und ihm nachzufolgen.

Text: Christoph Lehmann, DV Görlitz
Bild: Pixaby

Ostern

Hast du Angst im Dunkeln? Eigentlich würde ich diese Frage mit Nein beantworten. Aber irgendwie sieht nachts doch vieles anders aus. Wenn ich allein an einem Ort bin, den ich nicht 100%ig kenne, dann kann mir schon mal etwas mulmig werden. Ich erinnere mich gut daran, wie ich nachts allein mit dem Fahrrad durch einen Wald gefahren bin. Auch wenn ich den Weg schon mehrfach gefahren bin und einigermaßen wusste, wo ich bin, so sah doch irgendwie alles anders aus. Gefühlt brauchte ich für die Strecke viel länger als sonst, und die Angst, dass ich mich verfahren habe, stieg mit der Zeit. Umso beruhigter war ich, als ich zwischen den Bäumen ein Licht gesehen habe. Eine Straßenlaterne, die mir Orientierung gab. Ich wusste nun wieder, wo ich war und wie ich aus dem dunklen Wald herauskomme.

Wenn wir in der Osternacht die Osterkerze in die dunkle Kirche tragen, dann ist das vielleicht mit der Straßenlaterne vergleichbar. Wir singen „Lumen Christi“ – Christus ist das Licht. Er ist der, der uns in der Dunkelheit Orientierung geben will. Er ist unser Wegweiser in der Dunkelheit. Er gibt uns Zuversicht und Hoffnung. An Ostern soll uns das die Kerze vor Augen führen.

Aber was ist eigentlich die Dunkelheit? Bestimmt gibt mir der Glaube an Gott Sicherheit und Hoffnung, während ich durch den dunklen Wald meinem Weg gehe oder fahre. Die Dunkelheit kann aber auch metaphorisch verstanden werden. Jeder hat hier bestimmt seine eigenen Dunkelheiten. Ganz individuelle Situationen in denen wir Halt und Orientierung brauchen. Vielleicht ist es der Glauben, vielleicht aber auch eine private oder berufliche Entscheidung. Bin ich eigentlich auf dem richtigen Weg? Mache ich gerade Fehler? Es können aber auch Ereignisse sein, die über uns hereinbrechen und uns orientierungslos zurücklassen. Vielleicht kann auch hier die Kerze Kraft geben und einen Weg zeigen.

Gerade auch durch die Pandemie stellen sich viele Fragen. Dinge, die wichtige Bestandteile unseres Lebens waren gehen nun nicht mehr. Das eine oder das andere vermissen wir. Für mich sind die Tageseinsätze in Ravensbrück sicherlich ein Kompromiss, um mich dort trotz Corona zu engagieren. Aber der gemeinsame Abend nach der Arbeit fehlt mir schon. Das Gesellige ist irgendwie verloren gegangen. Vielleicht kann mir hier die Kerze ein Lichtschein am Ende des Tunnels sein.

Wenn ich an diesem Ostern meine Kerze aus dem Kar-Paket nehme, dann werde ich mir überlegen, wofür ich Orientierung brauche. Vielleicht nehme ich auch andere Menschen mit in meine Gedanken und möchte auch ihnen einen Wegweiser mitgeben. Vielleicht schaffe ich es sogar selbst an sie die Orientierung von Ostern weiterzugeben. Zünden wir also die Kerze an, in der Hoffnung, dass sich das Exsultet (Osterlob) erfüllt:

Frohlocket, ihr Chöre der Engel,
frohlocket, ihr himmlischen Scharen,
lasset die Posaune erschallen,
preiset den Sieger, den erhabenen König!

Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe!
Licht des großen Königs umleuchtet dich.
Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel.

Wir wünschen euch frohe und gesegnete Ostern!

Sascha Rösler

Diözesaner Arbeitskreis

Karfreitag

Während einer Versammlung unseres Verbandes erzählte der damalige Geschäftsführer, kurz nach der Eröffnung des Kolping Ferienlandes Salem an der Mecklenburgischen Seenplatte, folgende Begebenheit: Zur Eröffnung der Familienferienstätte wurden die Bewohner des Ortes Salem und der umliegenden Dörfer eingeladen. Als die Kapelle des Hauses besichtigt wurde, fragten einige Gäste: „Warum steht hier ein Pluszeichen auf dem Tisch?“

Zum Glück ist für uns Christen das Kreuz mehr als nur ein Pluszeichen! Es ist das Symbol, welches wie kein anderes, unseren christlichen Glauben geprägt hat. Auf und in jeder Kirche finden wir Kreuze. Viele Menschen tragen das Kreuz auch als Anhänger um ihren Hals oder haben es in der Wohnung zu hängen. Wir als Christen verbinden auch eine Vielzahl von Wörtern mit dem Kreuz:

Kreuzzeichen, Kreuzweg, Kreuzverehrung und Kreuzerhöhung, Kreuzesnachfolge, Kreuzrelique und Kreuzeslast.

Einige Heilige der Kirche, wie Johannes vom Kreuz (1542-1591; bürgerlich Juan de Yepes), wählten das Kreuz als ihren Ordensnamen aus.

Besonders rückt das Kreuz in den Mittelpunkt an Karfreitag. An diesem Tag erinnern wir an das Leiden Jesu Christi, seine Kreuzigung und seinen Tod am Kreuz.

Über den Kreuzweg, die Kreuzigung und den Kreuzestod Jesu Christi haben sich unzählige Theologen seit Jahrtausenden den Kopf zerbrochen. Jede Station von Jesus auf dem Leidensweg bis zu seinen letzten Worten am Kreuz wurde interpretiert und gedeutet. Trotzdem ist der Kreuzestod weiterhin ein Geheimnis des Glaubens geblieben. Immer wieder eröffnen sich neue Aspekte in der Betrachtung und der Bedeutung des Kreuzes bis hin zu der Frage: Was bedeutet der Tod Jesu Christi am Kreuz für mich ganz persönlich?

Im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „…gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes…“ Die volle Wucht der Bedeutung dieser Glaubenssätze wird aber erst in der nächsten Zeile auf den Höhepunkt getrieben: „…am dritten Tage auferstanden von den Toten…“

Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung den Tod und die Sünde besiegt. Das ist das Wesentliche, eine der Kernsätze unserer Religion. Wenn wir an diese Tatsache nicht wenigstens minimal Glauben, dann hat das Christentum als Religion keine Bedeutung mehr, weil sie keinen Trost mehr spenden kann.

Nach Umfragen der letzten Jahre glaubt in unserem Land nur jede Dritte daran, dass Jesus am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist.

Unsere Aufgabe als Christen ist es zu verkünden, dass das Kreuz mehr als nur ein Pluszeichen ist. Es ist das Symbol unserer Hoffnung, ja unser Befreiungszeichen.

Wir sollten keine Angst haben, den Menschen, die daran nicht glauben, von dieser frohen Botschaft zu erzählen. Das ist unser Auftrag als Christen.

Adalbert Jurasch

Diözesanvorsitzender

Gründonnerstag

Der heutige hohe Donnerstag, erinnert an das letzte Abendmahl Jesu, alle seine Jünger saßen mit ihm am Tisch und teilten Brot und Wein, wie in einer Familie. Jesu wusch seinen Jüngern, die Füße und wollte sie „rein“ machen, eine Tat, welche Jesus Liebe zu uns, als seine Freunde, bestärkte. So gab Jesus am Ende dieses Abends uns noch ein neues Gebot: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr auch einander lieben.“ (Joh, 13, 34)

Doch wie können wir lieben?

Was ist Liebe, in einer Welt, wo Hass, Gewalt, Diskriminierung und Rassismus noch so eine große Rolle spielen?

In vielen Geschichten der Bibel lesen wir von Menschen, die die Erfahrung von Ausgrenzung gemacht haben. Jesus ist ihnen trotzdem stets in Liebe begegnet, hat gar seine Heilshandlungen an ihnen vollbracht. Er hat auch diesen Menschen vergeben.

Das ist unsere Zusage, dass wir Gottes geliebte Kinder sind und das auch er uns vergibt. So wie er es an diesen Stellen in der Bibel vorgelebt hat, so sollen auch wir einander lieben und vergeben.

In Zeiten der Corona Pandemie können wir nicht physisch Brot und Wein teilen, auch der Besuch eines Gottesdienstes ist nicht jedem möglich. In diesem Paket erhaltet ihr heute das Kloster Knusperbrot aus dem Kloster Alexanderdorf. Gedenkt damit heute Abend dem letzten Abendmahl.

Bleibt gesund und bis ganz bald

Sophie Dziaszyk
Diözesaner Arbeitskreis

Palmsonntag

An den Anfang der Heiligen Woche möchte ich eine Textpassage aus der Bibel zitieren, die viele bestimmt schon einmal gehört haben.

Jesus sagt, mit dem Himmelreich sei es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säe. Obwohl es das kleinste von allen Samenkörnern sei, wachse es zu einem Baum heran, der alle anderen Gewächse überrage, und in dessen Zweige sich die Vögel des Himmels niederlassen könnten.“

Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche. Jesus zog auf einem Esel in die Stadt Jerusalem ein, über eine Straße, an der rechts und links dicht gedrängt Menschen standen, die Kleidungsstücke und Palmenzweige auf die Straße legten. Das Bild hat für mich eine besondere Symbolik.

Zum einen steht der tragende Esel für die Gerechtigkeit und Demut von Jesus, der für uns am Kreuz gestorben ist, zum anderen zeigen die Menschen das Vertrauen auf Jesus und an den Glauben an einen gemeinsamen Weg.

Angelehnt an die Textstelle, steht der Palmenzweig für mich für das Senfkorn, das gesät wird. Am Anfang eines langen Weges, den auch wir jeden Tag aufs Neue gehen, steht der Samen, der im Fall des Palmenzweiges ein Symbol der Huldigung und des Sieges darstellt. Es ist schwierig sich immer wieder neu zu motivieren, den Weg im Glauben zu gehen und in besonders schweren Zeiten, wie der aktuellen, an diesem festzuhalten und die Kraft daraus zu ziehen.

Wie das Senfkorn das Licht der Sonne, das Wasser der Erde und viel Nährendes braucht, so benötigen auch wir den Austausch des Glaubens in der Gemeinschaft. Das Feiern der heiligen Eucharistie, das Singen in der Kirche, das gemeinsame Gebet.

In der kommenden Karwoche ist es Zeit, unsere Kraft zu bündeln, die Gemeinschaft trotz der Abstände zu stärken und uns auf das bevorstehende Osterfest vorzubereiten. Es ist Zeit auf unseren Glauben zu bauen und zu vertrauen und unser ganz persönliches Senfkorn zu pflanzen.

Sebastian Rybot

Diözesanleiter der Kolpingjugend DV Berlin

Fürchtet euch nicht, denn er ist auferstanden!

„Fürchtet euch nicht“ (Mt 28,5 und 10) ruft uns das Evangelium der Osternacht gleich zweimal zu. Die Frauen erschrecken sich, haben Angst am Grab bei dem Engel und gegenüber Jesus. Aber hier kommen wieder die wundervollen Worte „Fürchtet euch nicht“. Wie vielversprechend diese Worte für uns sind, wie trostreich, hoffnungsvoll und stärkend. Auf Gott vertrauend müssen wir uns nicht fürchten. Trotzdem haben wir Furcht in verschiedener Weise, gerade jetzt. Aber die Zusage Gottes zählt, „Fürchtet euch nicht“. Danke Herr, für diese Zusagen! Gott ist nichts unmöglich, daher können wir ihm vertrauen. Er hat den Tod besiegt und uns allen ein neues Leben geschenkt. Ein neues Leben das heute beginnt. „Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier: denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Mt. 28, 5-6) Der Tod ist überwunden und alle Qualen und Leid sind vergangen. Ein neues Leben beginnt mit dem Tod und der Auferstehung. Auch wir dürfen auf dieses neue Leben vertrauen, und deswegen verändert es unser Leben schon jetzt, denn der Tod wurde überwunden. So können wir das „Fürchte euch nicht“ vorbehaltslos annehmen, denn Gott wird immer für uns sorgen.

Dieses Ostern ist für uns alle etwas ganz Besonderes. Gottesdienste wurden abgesagt oder aus leeren Kirchen im Internet gestreamt. Wir mussten verzichten auf die Karwoche mit ihren Liturgischen Höhepunkten. Der Einzug des Lichtes in die Dunkelheit der Kirche die sich erhellt. Das fällt vielen von uns schwer und es fehlt uns etwas an Ostern. Und doch hat auch dieses Ostern ein „Fürchtet euch nicht“. Kreativ und fortschrittlich entsteht neues Leben in der Kirche, denn es wird aktiv die Kirche zu den Menschen nach Hause gebracht durch engagierte Menschen. Das ist keine Alternative zu den Heiligen Messen in der Gemeinschaft, es zeigt aber neue Wege und Reichweiten auf. Bei all der Neuerung dürfen wir selbstverständlich nicht die Menschen außen vor lassen die keinen Zugriff auf diese Medien haben. Einen WhatsApp Gottesdienst habe ich erlebt, YouTube war voll mit Gottesdiensten, die live gestreamt oder mit Impulsen die kurzfristig produziert wurden. Vielleicht ist dieses Ostern für die Kirche eine Chance sich nicht zu fürchten neue Wege zu gehen und neues Leben entstehen zu lassen.

„Die Auferstehung des Herrn hat die Menschen umgewandelt und dem irdischen Leben eine neue Richtung und Bedeutung gegeben“. Adolph Kolping

Ich wünsche euch allen, auch im Namen der Kolpingjugend Berlin, ein segensreiches Osterfest. Wir müssen auf die Treffen mit unseren Lieben verzichten, aber haben wir sie im Herzen, denken an sie oder nutzen andere Möglichkeiten der Kommunikation. Ich wünsche euch allen Gesundheit und Kraft das ihr heil diese Krise durchsteht. Allen die arbeiten müssen wünsche ich im Besonderen gesegnete Ostern.

So bitten wir den lebendigen und auferstandenen Gott, auf die Fürsprache des seligen Vater Kolpings, um seinen Segen für uns, und alle die uns lieb sind. So segne uns der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Daniel Buchholz

Geistlicher Leiter Kolpingjugend Berlin

Karfreitag – Gottes Liebe und das Leid

Am Kreuz sterbend ruft Jesus nach Gott, seinem Vater, und fühlt sich verlassen von ihm. Wer kann es ihm verübeln? Der allmächtige Gott lässt seinen eigenen Sohn unter bitterbösen Qualen am Kreuz sterben.

Kennen wir das auch? Das wir denken Gott hat uns verlassen? Denken wir das es vielleicht keinen Gott geben kann, weil es das Leid gibt? Gerade jetzt wird diese Frage oft gestellt, hinsichtlich der vielen tausend Opfern eines Virus.

Nein, ich habe hier keine Antwort auf diese Frage, das haben Gelehrt ausgiebig versucht.

Doch Jesus Verzweiflung legt sich. Er spendet seiner Mutter und dem Jünger Trost, offenbart dem Verurteilten das Himmelreich und vergibt seinen Peinigern. Wo hat Jesus dies Kraft her? Nach seinem Zweifel weiß er doch, dass Gott da ist, dass Gott ihn nicht verlassen hat. Nun geht er seinen Weg weiter und gibt vertrauensvoll seinen Geist zurück zum Vater.

Wir Menschen wollen Fakten, alles erklärt und bewiesen haben. Gibt es Leid, Krieg, Tod oder andere Grausamkeiten, zweifeln wir an Gott oder negieren ihn sogar. Was wir brauchen ist Gottvertrauen. Ja, wir können Gott vertrauen, voll uns ganz. Wir müssen uns aber darauf einlassen. Wir können all unsere Not, unsere Wut, das Leiden Gott ungefiltert vorwerfen, aber wir müssen dann auch gut hören was er uns sagt und ihm vertrauen. Es wird immer Lichtblicke geben: Menschen die Gott uns schickt, oder Lichtblicke die wir selber werden. Er zeigt uns neue Wege auf, stellt die Weichen. Er fordert uns heraus, bringt uns an Grenzen und fängt uns dann wieder auf. Aus dem Leiden, den Krisen, können wir neuen Mut und Kraft schöpfen. Wenn ich die aktuelle Krise sehen, dann sehe ich viel Leid, Angst, Ungewissheit und Tod. Ich sehe aber auch Menschen die sich für andere, für die Gesellschaft einsetzen. Ich sehe Menschen, die wieder respektvoll miteinander umgehen. Eine Gesellschaft, die sich entschleunigt und besinnt, die sieht was tatsächlich wichtig ist im Leben.

Es gibt also den Zweifel und da Gefühl verlassen zu sein. Es gibt aber auch die Lichtblicke und die unendlich Liebe Gottes die uns immer tragen wird, trotz, oder gerade wegen des Leides.

Daniel Buchholz

Geistlicher Leiter Kolpingjugend DV Berlin

Impuls zu Gründonnerstag

Liebe Leserinnen, liebe Leser der Impulse zu Ostern,

heute werden die Einsetzungsworte Jesu „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ an diesem Hohen Donnerstag, Gründonnerstag nicht für Gottesdienstbesucher erklingen in den Gemeinden der katholischen Kirche hier in Berlin. Vielleicht werden einige Priester stellvertretend für uns die Einsetzung des Abendmahles feiern. Viele leiden darunter, nicht die heilige Kommunion zu empfangen und die drei österlichen Tage mitzufeiern. Doch tröstet uns in diesen Tagen, die Hoffnung Jesu mit seinem Testament, der Tod ist besiegt, gerade im Angesicht der vielen Toten der Corona – Pandemie weltweit. Wenn wir daran nicht glauben, wäre jeder Tote zu viel und wir sind dann selber hoffnungslos verloren. Aber noch ein zweites Zeichen wird in den Gemeinde nicht stattfinden: Die Fußwaschung, nach dem Evangelisten Johannes von Jesus durchgeführt an seine Jünger, die schon die Kirche vertreten. Jesus als Herr und Meister vollzieht einen Sklavendienst, wäscht den Staub der Straße, Fäkalien und anderen Unrat von den Füßen derer, die ihn gefolgt sind. Wenn sie/ihr den Text kennt oder lest, findet man eine Antireaktion des Petrus. Eigentlich müsste es umgekehrt sein. Verständnisvoll erklärte Jesus den Sinn der Fußwaschung. Erinnern wir uns an die Worte Jesu: „Ich bin nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen“. Ja, als Glieder seiner Kirche sind wir gerufen, hinabzusteigen zu denen, die tief im Moorast der Not liegen, ja sogar im Dreck verrecken, um sie aus ihren Nöten rauszuholen. Also eine dienende Kirche zu sein, ohne Überheblichkeit von Klerikalismus und sich für etwas Besseres zu halten. Wie sagte Adolph Kolping: „Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist“. So ist es die Liebe Jesu, die uns treibt, nicht achtlos vorbeizugehen an denen, die leiden. Adolph Kolping hat es verstanden und heute sind es die Ärzte, Krankenpflegepersonal, Altenpflegerinnen, Altenpfleger und anderes Personal in den Krankenhäusern und Seniorenheimen, die in dieser schweren Situation den Menschen dienen, ganz besonders den Corona – Patienten. Sie riskieren ihr Leben für andere, mögen sie auch ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Sie sind für ihren Dienst nicht mit Geld aufzuwiegen. Wir müssen uns tief vor ihnen verneigen. Ein Beispiel aus „Christ in der Gegenwart“ eine christliche Wochenzeitung, Nr.13 verdeutlicht, wie dienende Kirche aussehen kann: „Mein Altar wir das Bett eines Kranken.“ Diese Worte spricht ein italienischer Priester, der auch Arzt ist. Auf Grund der Corona – Krise lässt er sein Dienst als Priester ruhen und arbeitet jetzt als Arzt in einer Klinik. Er setzt sich der Gefahr aus, selbst angesteckt zu werden. In diesem Mann wird die Fußwaschung sichtbar im Dienen und Nachfolge Christi.

Lasst uns für alle beten, die jetzt dienen in den Krankenhäusern, Altenheimen, bei der Feuerwehr, Polizei und für die, die uns mit dem Notwendigsten versorgen im schweren Alltag. Herr, gib ihnen Kraft, auszuhalten und nicht an Erschöpfung zu zerbrechen. Lass uns dankbar sein für diese Menschen. Gib denen, die mit ihnen zu tun haben, Geduld und das sie nicht beleidigt oder angegriffen werden. Nimm dich derer an, die jetzt Isolation aushalten müssen und lass die Trauernden der vielen Coronatoten deinen Trost mit der österlichen Botschaft erfahren. „Bleibe bei uns, denn es will Abend werde“ mit deinem Segen du guter Hirte Jesus Christ. Amen.

Ihr/Euer

Thomas Markgraff-Kosch, Diakon und Präses der KF. St. Eduard

Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de